Eine Phase der Trauer und Neuorientierung
Liebe HafenmeisterInnen, liebe LeserInnen,
in den letzten Tagen ist in Folge des Unglücks auf der Loveparade mehrheitlich der Wunsch bei den Hafenmeister-TeilnehmerInnen formuliert worden, dass wir über die Art der Präsentation und den Inhalten intensiv nachdenken wollen.
Wir fühlen, dass sich im letzten halben Jahr die Wünsche an Inhalt und Zusammenarbeit geändert haben und dieses Gefühl ist durch das Erlebte der letzten 1,5 Wochen zu einer Gewissheit katalysiert worden. Was als "Web-2.0-Stammtisch" begann, zu einem realen und virtuellen Ort des Lernens und Verstehen des Social Web wurde, ist heute der Heimathafen unterschiedlichster Menschen geworden, die in Duisburg leben und/oder arbeiten. Bedingt durch das Medium, sind bei den Hafenmeistern die Vertreter des virtuellen Lebensraum, des Social Web, in der Mehrheit. Gerade in dieses Medium wird, angetrieben nach dem Wunsche der dort kommunizierenden Menschen nach Echtzeit-Information, in schnellster und emotionalster Form über die Katastrophe berichtet. Das ist nicht immer der beste Weg. Gerade wenn es darum geht, die eigenen Gefühle zu verarbeiten, ist die Möglichkeit, jede Emotion mit allen Menschen zu teilen, ein Weg, zu schnell die eigene Sprachlosigkeit zu verlieren. Noch bevor einem vielleicht klar geworden ist, dass es vielleicht für viele Reaktionen im Sinne des Respekts vor den Opfern und Rücksichtsnahme für die Hinterbliebenen noch viel zu früh ist.
Wir erleben, dass das Social Web hier eine Welt bietet, die mit ihrer Schnelligkeit und Emotionalität nicht nur die Realität überrennt, sondern auch von vielen Menschen, die dieses Medium weniger oder gar nicht nutzen, als kalt und herzlos empfunden wird.
Wir müssen aber auch anerkennen, dass diese Welt besteht. Sie besteht mit und durch die Menschen, die im Social Web leben. Somit hat ihre Reaktion, da sie auch eine Reaktion einer breiten Bevölkerungsschicht ist, eine Relevanz.
Da aber die Hafenmeister in Duisburg mit ihrer Arbeit auch eine Tür für Web-Nutzer geöffnet hat, denen diese Welt noch nicht begreifbar ist, haben wir auch die Verantwortung, diese mitzunehmen und zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Wie wir diesen unterschiedlichen Perspektiven gerecht werden können, ohne dabei unsere eigenen Gefühle zu übersehen, ist ein schwieriger Spagat. Dafür brauchen wir Zeit. Zeit, die wir nutzen werden, unsere eigenen Handlungen, so wie wir sie angekündigt haben, zu bedenken. Das wird eindeutig mehr Zeit benötigen, als wir es selbst von unserer Arbeit mit dem Social Web gewohnt sind.
Diese Zeit werden wir uns nehmen. Bis wir dafür unseren eigenen Weg bestimmt haben, wird im Hafenmeister-Blog nicht über Kultur-Events berichtet. Wir denken, dass diese Entscheidung von allen TeilnehmerInnen der Hafenmeister verstanden wird.
