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Trauer | Helfen

Gestern hatten die Hafenmeister, das Sammelbecken der Duisburger Kreativszene, ein kurzes Treffen, das ganz im Zeichen der schrecklichen Ereignisse am letzten Samstag stand. Einige waren vor Ort, alle waren sehr betroffen. In den Gesprächen keimte bei uns allen der Wunsch, dass wir helfen wollen. Der folgende Text ist ein erster persönlicher Versuch, diese Gedanken zu sammeln und zu konkretisieren.

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Wir sprechen den Hinterbliebenen, den verletzten und traumatisierten Opfern der Loveparade unser tiefes Mitgefühl aus.

Wir trauern um die Toten und hoffen, dass die Verletzten bald genesen und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.

Wir erleben aber auch eine ganz andere Seite der Katastrophe, die für uns als Duisburger Kreative, als Web-, Design-, Media- und Kommunikations-Profis ungewohnt und erschreckend ist. Trifft man Duisburger BürgerInnen auf der Strasse oder im Web, trifft man auf geschockte Menschen, die weder das Unglück, noch die medialen Reaktionen darauf verstehen oder gar verarbeiten können. Sie schämen sich oft für das Geschehene und haben das Gefühl, dass sie alleine gelassen werden.
In den Gesprächen der letzten Tage stellte ich fest, dass es auch vielen KollegInnen so ergeht, aber viele von uns sind beruflich die Auswüchse der Medien und Überreaktionen der Social Networks gewohnt. So bleibt zwar bei uns das Entsetzen über das Unglück, aber der Schock weicht professionellen Reflexen und dem Wunsch, zu helfen. Das wollen wir nun tun.

Wie können Duisburger Kreative helfen?
Im Web trifft Duisburg (und damit meine ich nicht die Verwaltung, sondern die Stadt als Lebensraum) von Seiten vieler Medien und Web-Nutzern auf unverständlichen Hass und längst überholte Vorurteile. Gerade dort bündelt sich die Wut in einer noch nie dagewesenen und völlig unverständlichen Ablehnung gegen die Stadt und ihre BürgerInnen.
Ich denke darüber nach, wie ein verantwortungsbewusstes Vorgehen aussehen könnte, um diese Ausbrüche abzufangen und aufzuarbeiten. Da zu meinem Tätigkeitsfeld auch die Beratung bei einem Kommunikations-GAU von Unternehmen im Web gehört, kann ich mir vorstellen, dass wir uns mit  Psychologen, Social-Web- und Kommunikations-Experten zusammen setzen und in der kommenden Woche für Duisburg eine eigenständige Hilfsaktion aufbauen. Diese würde das Ziel haben, dass wir zum einen den BürgerInnen eine digitale Anlaufstelle für Ihre Emotionen bieten, zum anderen den haltlosen und beleidigenden Ausbrüchen in Medien und Social Networks mit Offenheit und Fakten entgegen treten und ein menschliches Gesicht entgegen setzen können. Wie wir als Experten wissen, kann das im Social Web aber nur durch Offenheit, Anteilnahme und Wahrheit aus der persönlichen Betroffenheit heraus geschehen. Das wird die Grundlage unserer Initiative sein. Anders kann es nicht funktionieren, anders würde man sich nur der Methoden der sensationslüsternen Unglücksprofiteuren bedienen.
Dies würde eine Initiative und ein Hilfsangebot der Duisburger Kreativszene werden und ich hoffen, dass wir dadurch unseren Teil für die BürgerInnen, aber auch für den Respekt gegenüber den Familien und Freunden der Opfer und der Verletzten geben können.

Welche Maßnahmen könnten hilfreich sein?
Wir sind keine psychologischen Ersthelfer. Auch können und wollen wir nicht die Arbeit der Ermittler und Seelsorger übernehmen oder beeinträchtigen. Was mir aber dazu einfällt, sind folgende Maßnahmen und ich hoffe, es folgen noch viele Ergänzungen:

  • Information Aufbau einer Informationsseite, die einen Überblick über aktuellen und möglichst objektive journalistische Beiträge, ohne Sensationsgier und unerträgliches Bildmaterial gibt. Meine Idee wäre eine Art Vorschlagssystem für gelesene Beiträge, z. B. per Mail oder Twitter, die dann auf der Website veröffentlicht würden. Diese Informationen könnten auch den Duisburger BürgerInnen zur Verfügung stehen, um unsachlichen Äusserungen Argumente entgegen zu setzen.
  • Kommunikation Kommunikationsexperten versuchen als Mediatoren wieder eine sachliche und hilfreiche Interaktion zu fördern, die weder Opfer, noch schockierte Duisburger BürgerInnen beleidigt. Sollte der Wunsch von Seiten der Stadtverwaltung bestehen, sich direkt über technische Kommunikationswege, wie Liveblog oder Livestream einer Diskussion zu stellen, können wir die technischen Grundlagen zur Verfügung stellen.
  • Aufarbeitung Erlebnisberichte von Augenzeugen und die Reaktionen der Duisburger BürgerInnen können Online dokumentiert werden. Hierbei wäre sicherlich die Hilfe durch Interventionsexperten sinnvoll. Daraus liesse sich eine öffentliche Trauerwand erstellen, die den medialen Exzessen persönliche Wahrheiten gegenüber stellt.
  • Hilfe Hilfsangebote können auf einer Website gesammelt und abrufbar dargestellt werden.

Wir haben in Duisburg Erfahrung im Umgang mit Web 2.0 und Social Web. Lasst sie uns nutzen um den Opfern und den BürgerInnen bei der Bewältigung des Unglücks zu helfen.
Ich schlage vor, dass wir an dieser Stelle weitere Vorschläge und Hilfsangebote sammeln. Die Hafenmeister als Sammelbecken der Kreativszene sollten sich dann umgehend damit auseinandersetzen und Umsetzungsvorschläge formulieren.

Über weitere Vorschläge und Ergänzungen würde ich mich freuen.

Ich habe nur eine Bitte:
Wir wollen nicht mehr diskutieren, sondern handeln!
Bitte nutzt diesen Beitrag nicht dazu, über Schuld und Verantwortung zu diskutieren oder genau die Beiträge, Bilder und Videos zu verlinken, die nicht dem Respekt gegenüber den Opfern gerecht werden.
Wir wollen wirklich helfen und unser Wissen und unsere Erfahrung dafür einbringen.
Nehmt unsere Bemühungen bitte ernst und helft, wenn ihr könnt.

Posted by Frank Tentler 

Comments (21)

Jul 29, 2010
Wegen dem Twittwoch gestern das Treffen verpaßt, aber falls ich helfen kann - ihr wißt ja wie man mich erreicht...
Jul 29, 2010
Ergänzend dazu: Die Einrichtung einer Webseite halte ich für durchaus sinnvoll. Der Gesprächsbedarf momentan ist riesengroß, überall wohin ich komme ist unwillkürlich früher oder später die Loveparade Thema. Infos zu Selbshilfegruppen oder ähnliches wären sinnvoll.

Öffentliche Trauerwand: Es gibt schon einige Kondolenzwebseiten, aber ich vermute dass wir hier auch über Video oder Tonaufnahmen sprechen. Insofern sinnvoll.

Vorschlagssytem für Beiträge: im Google-Reader die Dinger faven für uns intern faven und dann entscheiden. Gestern noch beim Twittwoch gehört, dass das - zusammen mit anderen Verfahren - für Gruppen gut funktioniert hat.
Ad Astra

Jul 29, 2010
Frank Tentler said...
@NGC6544 Vielen Dank für deine Vorschläge. Wir sammeln bis nächste Woche und treffen uns dann zur Auswertung und Umsetzung. Gestriges Treffen war spontan und kurz, aber der Wunsch aktiv zu werden, ist da.
Jul 30, 2010
BuecherinselDU said...
Ich fände eine Webseite gut, auf der Duisburger, die zu ihrer Stadt stehen, (möglichst) mit Foto abgebildet werden und sagen, was sie an Duisburg gut finden, warum sie hier gerne leben..
Jul 30, 2010
Frank Tentler said...
@BuecherinselDU Das ist eine gute Idee! Notiert.
Jul 30, 2010
rheinschafe said...
Eine sehr gute sogar! So gut, dass wir bereits daran arbeiten ;)
http://www.communero.com/blog/index.php?page=gallery&action=show_gallery&gall...
Jul 30, 2010
BuecherinselDU said...
Idee: Postkarten drucken lassen. Auf vorderer Seite Gründe, die für DU sprechen. Karten in öffentlichen Gebäuden und/oder Kneipen kostenlos auslegen, damit Duisburger sie versenden können. 50000 Karten kosten 1000 €, müsste man doch schaffen
Jul 30, 2010
rheinschafe said...
Gefällt mir - uns Rheinschafe hast Du mit der Idee schon gewonnen!
Auch wenn sich die Verteilung als Herausforderung erweisen wird, da die Vermarktung von Postkarten als Werbemittel in der Gastronomie strengen Wettbewerbsregeln unterworfen ist. Gemeinsam finden wir sicher einen Weg.
Jul 30, 2010
Petra Schröder said...
Duisburg muss sicher seine Sprache wieder finden, auch eine neue Sprache finden. Daher finde ich die Idee von Bücherinsel, zu zeigen wer wir sind, was wir fühlen und was uns ausmacht ganz hervorragend. Diese Idee kann aber meines Erachtens nur mit einer Redaktionsleitung gelingen, um die von Frank befürchteten "Schmähkommentare" auszuschließen.
Jul 30, 2010
Frank Tentler said...
Hallo Petra,
schön von dir zu lesen : )
Wir sollten das erst sammeln und dann gemeinsam ein Konzept und eine Produktion von Unterprojekten starten. Ich würde das bewusst offen lassen, da sich das an den Möglichkeiten, die wir haben, messen muss. Z. Zt. ist ja Online deutlich im Vordergrund. Redaktionelle Elemente lassen sich auch technisch vereinfachen. Da finden wir schon eine Lösung, wenn wir das tun wollen.
Liebe Grüße,
Frank
Jul 30, 2010
Frank Tentler said...
@rheinschafe ist da schon was sichtbar von der Duisburg-Fan-Site?
Jul 30, 2010
rheinschafe said...
Schon was sichtbar? Na klar! http://www.duisburgfans.de :)
Jul 30, 2010
Frank Tentler said...
Habe vorsorglich eine Facebook-Community-Seite "Duisburg" reserviert: http://ht.ly/2iUGh
Es ist wichtig direkt in den Netzwerken auffindbar.
Jul 30, 2010
 said...
find ich gut, dass da was geschaffen wird. Hatte mich schon fast gewundert, warum es im Netz diesbezüglich noch so ruhig ist. Aber ihr habt derweil fleißig "gestrickt" - ich helfe gern, wenn ihr wollt. Lasst es mich wissen, wann wo wie...
Jul 30, 2010
ich finde das auch sehr gut, die Idee von Bücherinsel gefällt mir gut, Postkarten lassen sich sicher auch virtuell verbreiten
Jul 30, 2010
... auch wenn ich gerade still bin mache ich natürlich mit wo ich kann #Hafenmeister #Loveparade
Jul 30, 2010
JJ Jordans said...
ich finde Postkarten auch gut - ich fände es wichtig, dass Duisburg seine unterschiedlichen Gesichter zeigt - nicht nur die Summe der Teile - bis Ende August kann ich leider nur aus der Ferne agieren -
Im Netz wären kurze seriöse Videobotschaften von unterschiedlichen Mitbürgern vielleicht hilfreich..... aber sicherlich ist es auch wichtig erst einmal zu trauern und nicht in schelle Aktionen zu verfallen. Eine Website mit gesammeltem Anlaufstellen und Hilfemöglichkeiten wäre vorerst das Wichtigste.
Jul 30, 2010
Frank Tentler said...
Vielen Dank für eure Kreativität! Ich denke, bis nächste Woche bekommen wir viele gute Ideen zusammen.
Ich habe noch eine Idee für eine Web-Initiative. Erster Logo-Entwurf:
http://ht.ly/2j45O
Aug 01, 2010
AG du360kultur said...
Es ist sehr schade, dass so etwas passiert, wenn man sich eigentlich zusammen getan hat, etwas für die eigene Stadt zu unternehmen.

Thomas Meiser hat nach unserer Meinung in den Kommentaren zum Beitrag http://hafenmeister.posterous.com/trauer-helfen eine sehr respektlose und beleidigende Haltung an den Tag gelegt. Und er hört nicht auf, weiter zu beleidigen.

Wir haben aber keine Lust, für ihn und seine seltsame Welt, eine Leinwand zu bieten. Wir wollen was tun. Gemeinsam.

Daher werden wir die Kommentare hier in Zukunft moderieren. Eine andere Meinung zu haben ist nämlich die eine Sache, zu beleidigen geht aber definitv nicht.

Aber wir wollen euch und allen, die sich unbedingt mit ihm auseinander setzen wollen, diese Möglichkeit nicht nehmen. Auch wenn die Erfahrung lehrt, dass Trolle dadurch nicht netter werden.

Daher haben wir unter http://hafenmeister.posterous.com/betrifft-thomas-meiser-kommentare ein Troll-Gelege angelegt. Ihr findet hier alle seine Kommentare und die Antworten darauf.
Gerne schalten wir hier auch weitere Kommentare frei, werden aber Beleidigungen nicht tolerieren.

Aug 01, 2010
AG du360kultur said...
Es sind hier, persönlich und als Email viele Ideen vorgeschlagen worden.
Vielen Dank dafür!
Wir werden sie auflisten und präsentieren.

Gerne werden aber noch weitere Vorschläge entgegen genommen.

Aug 02, 2010
 said...
Hallo,
auch wir (die Online-redakteurinnen der DMG) haben uns für diese gute Idee unsere Gedanken gemacht. Das sind die Ergebnisse unseres Brainstormings:

- Logo & Slogan (griffig, warme Farben)
- Chronologie der Ereignisse (sauber, ehrlich, umfassend)
- positive Statments zu Stadt & Leuten via Podcast
- Interaktivität (Wallpaper & Co, ein Stück Duisburg zum mitnehmen)
- Poster, Postkarten pro Duisburg (wurden hier auch schon genannt)
- Umfragemöglichkeit im Netz bieten, Bürgern ermöglichen, was an Duisburg gefällt und was nicht...)
- Streetbranding (z. B. Logo wie bei Akzenten auf Straße und Gebäuden setzen...oder einfach Highlights Duisburg benennen und so ins Gedächtnis/ Bewusstsein zurückholen)
- WIR-Gefühl sträken (Z. B. durch Events...)

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